Eugen Schönebeck

 

Eugen Schönebeck nimmt in der Kunst nach 1945 eine entscheidende Position ein: Auf bahnbrechende Weise integrierte er historische Inhalte in sein Werk und betrieb fast im Alleingang die Wiederbelebung der Porträtmalerei. Diese Übersichtsausstellung – seine erste in einer Galerie seit mehr als einem Vierteljahrhundert – vereint fast sechzig Zeichnungen, die er zwischen 1957 und 1967 schuf. Schönebeck, geboren und aufgewachsen in der Umgebung Dresdens, begann mit dem Zeichnen im Alter von ungefähr dreizehn Jahren. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler ermöglichte ihm ein Stipendium 1954 die Aufnahme in die Fachschule für angewandte Kunst im Ostberliner Oberschöneweide. Da er für sich in Ostdeutschland keine Entwicklungsmöglichkeiten sah, wechselte er bereits im folgenden Jahr an die Westberliner Hochschule für Bildende Künste. Zwei Jahre später schuf er die ersten reifen Zeichnungen. Diese Werke im Stil des Tachismus, wie auch die Zeichnungen der nachfolgenden vier Jahre, weisen figurative Elemente auf, die in seiner gleichzeitig entstehenden abstrakt gehaltenen Malerei gänzlich fehlten. Erst gegen Ende 1961, dem Jahr seines Studienabschlusses, wandte er sich einer gegenständlicheren Arbeitsweise zu. Seiner Feder entsprangen in dieser Zeit Werke, deren gelegentlich eigenartiger Humor oft ins Groteske kippt. Sein Ziel war zu versuchen, „einen gewissen Tenor an die Oberfläche kommen zu lassen – ein Bewusstsein der Krise, einer alles durchdringenden Traurigkeit, Grausamkeit und sogar Perversität –, das ich im Werk meiner Kollegen vergeblich suchte“, wie er später dazu bemerken sollte. 1964 entwickelte Schönebeck in seinen Gemälden einen neuen monumentalen Stil. Er begann massenmediale Bilder von Politikern, Dichtern und Künstlern – Sympathisanten verschiedenster Richtungen des Sozialismus – in quasireligiöse Wahrzeichen umzuwandeln. Diese Bildnisse und eine Reihe von großformatigen Porträtzeichnungen, die ihnen folgten, zeugen von Schönebecks Ringen um einen Mittelweg zwischen einer für den kapitalistischen Markt gefertigten und einer politischen Zielen verpflichteten Kunst. Weder der einen noch der anderen künstlerischen Tradition wollte er den Rücken kehren und beschloss deshalb 1967 konsequenterweise, mit der Malerei ganz aufzuhören und sich aus der Kunstbranche zurückzuziehen. Wohl wissend um die Bedeutung seines Werkes, haben seit den frühen achtziger Jahren Kuratoren Eugen Schönebecks Bilder in fast jeder international wichtigen Ausstellung der deutschen Nachkriegskunst präsentiert. Seine Kunst war nicht nur ihrer Zeit voraus, sie hat, insbesondere für eine jüngere Generation von Künstlern, bis heute ihre Aussagekraft bewahrt.