Mi Kafchin

 

Mi Kafchin wurde 1986 in der rumänischen Stadt Galați geboren. 2010 schloss sie an der Universität für Kunst und Design in Cluj das Studium an der Abteilung für Keramik, Glass und Metall ab. Anschließend assistierte Kafchin dem Maler Adrian Ghenie, dessen Atelierräume sie später übernahm. Gemeinsam mit Ghenie zählte sie zu einem lockeren Verbund lokaler Künstler, die ihre Ateliers in einer verlassenen Fabrik einrichteten und durch die fundierte technische Ausbildung in Rumänien sowie weitreichende kunsthistorische Referenzsysteme als Ausgangspunkt ihres Schaffens verbunden wurden. Vor rund 10 Jahren eroberten diese jungen Künstler – als sogenannte Cluj Connection – die internationale Kunstwelt.

Kafchin ragt gleich in doppelter Hinsicht aus dieser Gruppierung heraus. Einerseits durch ihre Freude am Experiment, mit der sie sich ein breites Spektrum künstlerischer Medien erschloss, das von Zeichnungen und Gemälden über plastische Arbeiten bis hin zu raumgreifenden Installationen reicht, die alle Schaffensbereiche vereinen. Andererseits hebt sich Kafchin durch ihren Motivkanon ab, der gleich einem Kaleidoskop die collageartigen Bildwelten unseres Medienzeitalters reflektiert. Es ist ein spannungsvolles Bildprogramm, in dem Science Fiction und antike Mythen verschmelzen. Besonders oft treffen Mensch und Maschine aufeinander: bisweilen als Antagonisten, meist in Form von Hybriden. Kafchin präsentiert allerdings keine heroischen Sinnbilder technischer Perfektion und Überlegenheit, sondern empfindsam-melancholische Maschinenwesen, die zwischen Subjekt- und Objektstatus oszillieren. Ohnehin präsentiert Kafchin den menschlichen Körper oft geradezu als Baustelle im Prozess von Transformationen. So sind Körper von Baugerüsten umgeben, im Chemielabor platziert oder Medikationen ausgesetzt. Mi Kafchin, die unter dem Namen Mihuț Boșcu Kafchin in einem männlichen Körper aufwuchs und sich zur Zeit im Prozess einer Geschlechtsangleichung befindet, reflektiert mit diesem Motivkanon eigene und fremde Konstruktionen von Geschlecht und Identität. Das Ziel der eigenen körperlichen Selbstwerdung ist nicht nur in Form von weiblichen und transsexuellen Archetypen, sondern ebenso mit dem Yin-und-Yang-Symbol wiederholt ins Bild gesetzt: es ist der finale Ausgleich der aktuellen inneren und äußeren Gegensätze.

Das kontrastreiche Werk der jungen Künstlerin hat längst ein internationales Publikum erreicht. Nach Einzelausstellungen in Cluj, Stockholm, Los Angeles, Paris und Budapest hat ihr die Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst in Bukarest im Herbst 2016 eine umfangreiche Werkschau gewidmet. Daneben waren Kafchins Werke in zahlreichen viel beachteten Gruppenausstellungen zu sehen, unter anderem im Österreichischen Museum für angewandte Kunst in Wien (2015), im Espace Culturel Louis Vuitton in Paris (2013), auf der Biennale in Prag (2013) und auf der Pariser Triennale (2012).