Steve DiBenedetto, Alexander Ross, James Siena

Morphological Mutiny
2. Mai – 13. Juni 2009

Nolan Judin Berlin präsentiert in der Gruppenausstellung Morphological Mutiny („Morphologische Meuterei“) Gemälde, Zeichnungen und Collagen der amerikanischen Künstler Steve DiBenedetto, Alexander Ross und James Siena. Alle drei leben und arbeiten in New York, kennen und schätzen sich. Aus einem anfänglich eher experimentellen Austausch hat sich in jüngster Zeit ein dichter Dialog über Prozesse, Materialien und Techniken entwickelt.

DiBenedetto, Ross und Siena sind Erfinder von jenseitigen Hyperräumen, die jeweils einer ganz eigenen Gesetzmäßigkeit unterworfen sind, beherrscht von inneren, logischen Systemen. Das Verbindende im Werk dieser sehr unterschiedlichen Künstler ist die sichtbare Lust, mit der sie diese selbst aufgestellten Parameter wieder aushebeln. Das Wachstum und Zerfallen dieser künstlichen Welten kann als ein Akt von mor-phologischer Meuterei, einer Rebellion der Formen und Strukturen, gesehen werden – und beschreibt den Lebenszyklus von Welten, die durch Ziffern, Masse und Technologien bestimmt sind. Würde man diese Welten auf ihre strukturelle Glaubwürdigkeit hin prüfen, lägen diejenigen von Siena und DiBenedetto an den beiden Enden der Skala, während Ross schwingend die Mitte einnehmen würde.

James Siena bedient sich der Gesetze des Algorithmus um Umriss, Farbe und Lage seiner Formen zu bestimmen, die er als „image-structures“ bezeichnet. Die dichten, mosaikhaften Gebilde erinnern an M.C. Escher und Siena hat sie in jüngster Zeit in eine gegenständliche Richtung erweitert: in „Flat Red Girl“ erkennt man die Umrisse einer weiblichen Figur, in „Decaying Old Man“ ist ein Gesicht angedeutet.

Alexander Ross dient die Mikrobiologie als Inspiration zu seinen grünen und blauen Hyperräumen. Die monströsen Kugelgebilde und ihre „Bewohner“ entdeckt der Künstler beim Blick ins Mikroskop. Vergrößert und verzerrt, formt er diese wundersamen Welten in einem ersten Schritt aus farbiger Tonerde zu reliefartigen Maquetten, die er dann photographiert, in Photoshop verfremdet und manipuliert – und schließlich ausgedruckt in seinen Collagen und Zeichnungen integriert.

Steve DiBenedetto ist der Listigste der drei. Er vermeidet es geflissentlich, sich auf ein bestimmtes Erschaffungs- und Betrachtungssystem festlegen zu lassen. Seine Objekte findet er in den Schriften von Philosophen, Erfindern oder Architekten. Der Krake, der Helikopter und der Glassturm bauen sich in jedem seiner Werke auf – um sich dann gleich wieder aufzulösen. Von ihrer Position innerhalb der Komposition hängt ihre physikalische und psychologische Bedeutung ab. In den neusten Bildern wird der Krake vom Glass Tower absorbiert – um dann zu implodieren.

 

James Siena (geb. 1957, Kalifornien) erhielt 1979 seinen BFA von der Cornell University. Sienas Arbeiten wurden in über 55 Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem 2004 auf der Whitney Museum of American Art Biennale. Siena wurde mit mehreren Kunstpreisen ausgezeichnet, darunter den Award of Arts von der American Academy of Arts and Letters (2000); den Louis Comfort Tiffany Foundation Biennial Competition Award (1999); und ein Stipendium der New York Foundation for the Arts in Malerei (1994). Seine Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen zu finden, unter anderen im Museum of Modern Art, New York; im San Francisco Museum of Modern Art, San Francisco; im Museum of Fine Art, Boston; im Whitney Museum of American Art, New York; in der Philip Morris Collection, New York und im UCLA Hammer Museum, Los Angeles. Siena absolvierte 2004 ein Artist-in-Residency Programm für Künstler bei Yaddo und wurde kürzlich zum Mitglied von Yaddo ernannt.

 

Alexander Ross (geb. 1960, Colorado) beendete 1983 seinen BFA am Massachusetts College of Art. Er wurde mit dem Lewis Comfort Tiffany Foundation Award (2004), dem John Simon Guggenheim Memorial Foundation Fellowship (2003) und dem Philip Morris Juror’s Merit Award for New American Talent (1997) ausgezeichnet.

Seine Arbeiten sind seit Mitte der 90er-Jahre weltweit in Museen und Galerien ausgestellt worden. Unter anderem im Contemporary Art Museum in St. Louis (2008), Remote Viewing im Whitney Museum of American Art (2005), SITE Santa Fe, NM (2004), in der Elizabeth Foundation for the Arts, NY (2007); im Columbus Museum of Art, OH (2007); im Frances Young Tang Teaching Museum and Art Gallery, im Skidmore College, NY (2006); in der American Academy of Arts and Letters, NY (2002); im Museo de Arte Moderno, Mexico City (2001); im PS1 Contemporary Art Center, Long Island City, NY (2000); und in der SEAD Gallery, Antwerpen, Belgien(1998).

 

Steve DiBenedetto (geb. 1958, New York City) erhielt 1980 seinen Bachelors Degree von der Parsons School of Design. Er wurde unter anderem ausgezeichnet mit dem Louis Comfort Tiffany Foundation Award (2002), dem Rosenthal Award von der American Academy of Arts and Letters (2003) und dem Guggenheim Fellowship Award (2003).

Seine Werke wurden in zahlreichen Museumsausstellungen präsentiert, unter anderem in einer Retrospektive in der University of SUNY, Albany, NY (2008); Remote Viewing im Whitney Museum of Art, NY (2005); Form and Story: Narration in Recent Painting, im University of Richmond Museums, Richmond, VA (2009); im P.S. 1 Contemporary Art Center, Long Island City (2004); im MassArt, Boston (2004); in der American Academy of Arts and Letters, New York (2003); in der Sammlung Rolf Ricke, im Neuen Museum, Nürnberg (2002); in der Rosenwald-Wolf Gallery, University of the Arts, Philadelphia (2002); im Aldrich Museum of Contemporary Art, Ridgefield, CT (2001); in der Le Consortium Collection, Centre Georges Pompidou, Paris (1998); im Museum of Contemporary Art, Genf (1994); im FRAC Nord-Pas-De-Calais, Lille (1993); und im New Museum of Contemporary Art, New York (1989). DiBenedetto hat an zahlreichen Institutionen in den USA unterrichtet, einschließlich der Rutgers University (2002-05), der Cooper Union (2002-04), der Columbia University (2001-02), und der School of Visual Arts (1993-99).