Ralph Arnold

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30. Oktober – 23. Dezember 2010

Der 2006 verstorbene Künstler Ralph Arnold ist in den Vereinigten Staaten für seine meisterhaften Collagen und Assemblagen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren bekannt und geschätzt – während er in Europa noch weitgehend zu entdecken ist.

Geboren in Chicago im Jahr 1928, wurde Arnold nach dem Tod seiner Mutter von Verwandten aufgezogen, deren Namen er annahm. Die Suche nach einer eigenen Identität sollte ihn ein Leben lang begleiten und sein Werk beeinflussen. Seiner Ausbildung zum Künstler an der University of Illinois setzte die Einberufung in die Armee ein abruptes Ende. Von 1951 bis 1953 diente Arnold im Korea-Krieg. Diese prägende Erfahrung hat er in einem bewegenden Photo-Journal dokumentiert. Zurück im zivilen Leben nahm er sein Studium wieder auf und schloss die Roosevelt University 1955 mit dem Bachelor of Fine Arts ab. Die ersten reifen Werke stammen aus den späten Fünfzigerjahren. Bereits zehn Jahre später wurde Arnolds als Lehrer berufen und war fast 30 Jahre lang einer der einflussreichsten Professoren der Loyola University in Chicago.

Beeinflusst vom Wirken Paul Klees und Kurt Schwitters entwickelte Arnolds ein Werk, das sich frei zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit bewegt, sich dabei aber stets der vielschichtigen Bildsprache der Populärkultur bedient. Er verfolgte mit leidenschaftlichem Interesse was seine Zeitgenossen Robert Rauschenberg und Jasper Johns in New York produzierten. Arnold betonte immer, dass er in erster Linie Künstler sei – und erst in zweiter Linie Afroamerikaner. Dennoch befasst er sich in vielen Werken mit dem gesellschaftlichen Befinden der Afroamerikaner und deren kulturellem Erbe. Sein Hauptinteresse galt aber der Frage, was es hieß, ganz einfach ein Bürger der USA zu sein. In seinen großen Collagen auf Leinwand und auf Holz verarbeitete er in den späten Sechzigerjahren Bilder von Krieg, Protest, Armut und Politik und Schlagzeilen wie „POVERTY AMIDST PLENTY“ oder „INJURED IN CHICAGO“. In den Siebzigerjahren wandte er sich dem überschäumenden Konsumerismus zu, ohne zu verhehlen, dass er selbst durchaus auch daran teilnahm (Arnold war sehr auf seine äußere Erscheinung bedacht und ein leidenschaftlicher Sammler). Diese Ambivalenz verleiht seinen Werken ihre Spannung, Kraft und Komik. Auch seine Homosexualität floss in einige Werke ein – anfangs eher verhalten, aber mit den Jahren immer selbstbewusster. Die Stärke von Arnolds facettenreichen Gesamtwerk liegt in der unwiderstehlichen Mischung seines Charakters – wagemutig, selbstkritisch, moralisch, extravagant, großzügig, humorvoll und immer begeisterungsfähig für Schönheit in allen ihren Erscheinungsformen.