Dexter Dalwood

Dichter und Drogen
10. September – 17. Dezember 2011

Nolan Judin freut sich, ihre neuen Räumlichkeiten an der Potsdamer Straße mit der ersten Berliner Einzelausstellung des britischen Malers Dexter Dalwood zu eröffnen. Bevor Dalwood (*1960) Künstler wurde, stand er als Bassist der Punkband „The Cortinas“ auf der Bühne. Seit dem Kunststudium in London am Central St. Martins College und dem Royal College of Art war er in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen vertreten. 2010 widmete ihm die Tate in St Ives eine Retrospektive, die ihm eine Nominierung für den prestigeträchtigen Turner Prize einbrachte. Zu den zahlreichen Museumssammlungen, die seine Werke besitzen, gehören die Tate in London und der Hamburger Bahnhof (Sammlung Marx) in Berlin. Seit elf Jahren wird Dalwood weltweit von der Gagosian Gallery vertreten.

In seinen farbstarken und großformatigen Bildern betreibt Dalwood Historienmalerei. „Desert Storm“, „The Trial of Milosevic“ oder „Bill Gates’ Bedroom“: er zeigt Orte, die mit zeitgeschichtlicher Bedeutung aufgeladen sind oder lässt den Betrachter in die Wohnräume von Celebrities blicken. Es sind Allusionen auf vergangene Momente und Orte, die der Betrachter zu kennen glaubt. Nicht nur Zeitgeschichte, sondern auch die Geschichte der Malerei wird dabei von Dalwood thematisiert. Die Bilder erscheinen zunächst klar, plakativ, oft farbenfroh. Sie wirken wie Traumlandschaften, aus der Erinnerung geholte Orte und Stimmungen. Er mischt dabei künstlerische Genres, Techniken und Stile. In einer collageartigen Malweise zitiert er aus bekannten Werken der Kunstgeschichte – von Caspar David Friedrich bis Sigmar Polke – um Räume zu schaffen, die stets menschenleer sind. Die Kulisse wird so zum Mittelpunkt und animiert den Betrachter dazu, sie mit imaginären Handlungen zu füllen.

Für seine Berliner Ausstellung hat Dalwood den Titel Dichter und Drogen gewählt – womit er auf die enge Verbindung von Drogenkonsum und Kreativität verweist. Dieser Grenzgang des Exzessiven und Schöpferischen, gefährlich und lustvoll zugleich, kann Wahrnehmungsräume eröffnen, die kaum mitteilbar sind. Und genau um diese Zwischenräume, Tagträume, Phantasien und Kunstformen, die über das Rationale hinausreichen, geht es Dalwood in seinen Werken. Viele Werktitel beziehen sich konkret auf Dichter und ihre Drogenerfahrungen – wie Robert Louis Stevenson, der seinen berühmten Roman „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ in wenigen Wochen und unter dem Einfluss exzessiven Kokainkonsums niederschrieb. Oder sie bedienen sich des Drogenjargons, wie Stoned Crazy (voll bekifft) oder Strung Out (zugedröhnt). Zum ersten Mal setzt Dalwood in diesen Gemälden die Technik des Siebdrucks ein. Die tapetenartige Wiederholung des selben Motivs ist nicht nur eine Referenz an die Arbeitsweise vieler Pop-Art-Künstler, sondern schafft durch die entstehende „Flächigkeit“ mehr psychologischen Raum – den der Betrachten für eigene Assoziationen nutzen soll.

Zu dieser Ausstellung erscheint eine Publikation mit einem Essay von Dr. Anette Hüsch.