Eugen Schönebeck

The Drawings
14. Januar – 25. Februar 2012

Nolan Judin freut sich, mit Eugen Schönebeck – The Dra-wings die bislang umfangreichste Ausstellung des zeichnerischen Werkes des Berliner Künstlers Eugen Schönebeck präsentieren zu dürfen.

Eugen Schönebeck, 1936 in der Nähe Dresdens geboren, ist ein Mythos der deutschen Kunstgeschichte. Als er 1967 seine Laufbahn als Maler nach nicht einmal 10 aktiven Jahren überraschend für beendet erklärte und sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückzog, hatte er gerade mal 50 Ölgemälde (von denen nur 39 erhalten geblieben sind) und knapp 400 Zeichnungen geschaffen.

Nach einer Ausbildung zum gewerblichen Dekorationsmaler begann seine künstlerische Ausbildung 1954 an der Fachschule für angewandte Kunst in Ostberlin – in der Klasse für Großflächenmalerei. Bereits ein Jahr später wechselte er nach West-Berlin, wo er bis 1961 an der Hochschule für Bildende Kunst (heute UdK) unter anderem bei Hans Jaenisch und Hans Kuhn studierte. Dort traf er auf den zwei Jahre jüngeren Georg Baselitz, mit dem er 1961 das später so bezeichnete Erste Pandämonische Manifest schuf, das als Ausstellungsplakat für eine gemeinsame Ausstellung in einem Abrisshaus diente. Gemeinsam arbeiteten die Studienfreunde an einem neuen, gewalttätigen Ausdruck in der Malerei und lehnten sich selbstbewusst gegen das Kunstestablishment und sein geltendes Diktat der Abstraktion auf. Sie bekräftigten dies in ihrem Zweiten Pandämonischen Manifest des Jahres 1962, wonach sich ihre Wege trennten. Im selben Jahr hatte Schönebeck seine erste Einzelausstellung in Berlin. Es folgten bis heute nur sieben weitere Einzelausstellungen – alle in Deutschland –, zuletzt die vielbeachtete Retrospektive in der Schirn Kunsthalle Frankfurt im Frühjahr 2011. Sein Werk wurde jedoch in zahlreichen bedeutenden Gruppenausstellungen über die deutsche (und „deutsch-deutsche“) Nachkriegskunst gewürdigt, unter anderem in „German Art in the 20th Century“ (London und Stuttgart, 1985/86), „Deutschlandbilder“ (Berlin, 1997) und „Art of Two Germanys“ (Los Angeles, Nürnberg und Berlin 2009).

Schönebeck hat wie viele Künstler seiner Generation die Gräuel des Zweiten Weltkriegs miterleben müssen. Er hat aber als einer der wenigen die Aufarbeitung der traumatischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs zum Thema seiner künstlerischen Arbeit gemacht. Geschätzt wird Schönebeck vor allem für seine Darstellungen des gequälten, grotesken und oft auch komischen menschlichen Körpers, in denen die Nachkriegsjahre einen verstörenden bildlichen Ausdruck fanden. In den materialistischen Zeiten des „Wirtschaftswunders“ forderte er von der Kunst „Moral“ und sympathisierte mit dem Sozialismus. Die Formlosigkeit und Spontaneität des vorherrschenden „Informel“ taugten seiner Meinung nach nicht für die Erneuerung der Gesellschaft. Schönebeck entschied sich für die figurative und breitenwirksame Malerei als revolutionäre Geste und rang dabei erkennbar mit seinen Motiven.

Eugen Schönebeck – The Drawings umfasst knapp 60 Zeichnungen aus den Jahren 1957 bis 1966 - von den frühen tachistischen Kompositionen bis zu den späten, monumentalen Porträts. Viele davon stammen aus dem Besitz des Künstlers und sind hier erstmals ausgestellt. Ergänzt werden sie durch bedeutende Leihgaben aus den Sammlungen der Berlinischen Galerie und des Städel Museums sowie aus Privatbesitz. Drei exemplarische Gemälde aus den Jahren 1962 und 1963 ermöglichen einen Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers. Für die Ausstellung, zu der eine umfangreiche Publikation erscheint, zeichnet die amerikanische Kunsthistorikerin Pamela Kort verantwortlich.