Uwe Wittwer

The Spoils of Ward
29. September – 10. November 2018

Als der Schweizer Künstler Uwe Wittwer (*1954 in Zürich) im letzten Jahr das Ashmolean Museum in Oxford besuchte, faszinierte ihn eine Hängung ganz besonders: dicht an dicht werden in einem Raum die 94 niederländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts präsentiert, die das Ehepaar Ward zusammengetragen und 1939 gestiftet hat. Nach dem Willen der Stifter muss die Sammlung stets in ihrer durchaus überwältigenden Gesamtheit gezeigt werden. Dadurch ergibt sich ein interessanter Querschnitt dieses oftmals übersehenen Genres des 17. Jahrhunderts: große Namen und zweitrangige Künstler hängen Seite an Seite, ebenso großformatige Repräsentationsbilder und kompakte Kabinettstücke. So verdeutlicht die Ward Collection, dass Kunst- und Kulturgeschichte stets mehr als die Geschichte der großen Meister und Formate ist und welche Verbreitung die Malerei des 17. Jahrhunderts erfuhr: nie zuvor entstanden so viele Gemälde wie in dieser Zeit.

Die Ward Collection regte Wittwer zu einem künstlerischen Update an. Jeweils im Format des Ursprungswerkes hat er jedes einzelne der 94 Werke in seine eigene künstlerische Sprache überführt und mit einem Künstlerrahmen versehen – einer Neuinterpretation des klassischen holländischen Ebenholzrahmens. Damit erreichte er nicht zuletzt eine Vollständigkeit, die im Ashmolean Museum nicht mehr gegeben ist: ein kleines Werk von Rachel Ruysch (eine der wenigen Künstlerinnen, die in der Sammlung vertreten ist), das in den 1940er Jahren aus dem Museum gestohlen wurde, hat Wittwer ebenfalls berücksichtigt. Durch seinen Strahlenkranz ragt dieses Werk (The Spoils of Ward Sixty-six) ebenso aus Wittwers Serie heraus wie ein Entenporträt (The Spoils of Ward Seventy-one) und ein Interieur (The Spoils of Ward Thirty-four), deren solitären Status der Künstler mit einer besonderen Stilistik gespiegelt hat.

Die Präsentation der umfangreichen Werkgruppe in der Galerie Judin versteht Wittwer als Befragung und Aktualisierung klassisch-musealer Präsentationsformen: in Anlehnung an die Wandbespannungen der traditionellen Altmeister-Galerien hat er nahezu jeder Ausstellungswand eine andere Farbe aus dem Farbsystem von Le Corbusier zugewiesen. So ist ein spannungsreicher Spaziergang durch das Genre des Stilllebens, eine private Obsession und ein zweifaches Gesamtkunstwerk entstanden – jenes der Wards und jenes von Wittwer.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Ausstellungskatalog mit einem Text von Dr. Lena Fritsch, Kuratorin am Ashmolean Museum.