Eugen Schönebeck

Das Frühwerk
14. September – 21. Dezember 2019

Eugen Schönebeck (*1936) ist einer der wichtigsten Künstler der deutschen Nachkriegskunst, in dessen Leben und Schaffen sich alle zentralen künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Zäsuren dieser Zeit spiegeln: Er wuchs während des Zweiten Weltkrieges in Sachsen auf, begann hier und in Ost-Berlin seine handwerkliche Ausbildung, zog dann aus der jungen DDR zum Kunststudium nach West-Berlin und entwickelte hier – im Epizentrum der gegenstandslosen Kunst – mit dem Kommilitonen Georg Baselitz eine neue figurative Malerei. Mit seinen großformatigen Porträts sozialistischer Wortführer, die Mitte der 1960er-Jahre entstanden, nahm der Künstler dann gar die Themen der 1968er-Bewegung vorweg.

Doch nur wenige Jahre nach seinem Studienabschluss zog sich Schönebeck von der marktbezogenen Kunstproduktion zurück. Er verlagerte sein Kunstschaffen ins Private, nicht zuletzt in Ermangelung einer gesellschaftspolitischen Utopie nach der 1968er-Bewegung: Er stellte die Ölmalerei – nicht aber das Zeichnen – ein. Schönebeck wurde zum Mythos und zum Mitbegründer der neuen deutschen Figuration.

Während die rund 60 Gemälde Schönebecks mittlerweile gut erforscht sind, sind die über 1.000 Zeichnungen größtenteils unbekannt. Dadurch sind auch zahlreiche Stil- und Motivphasen im Dunkeln geblieben. Denn Schönebecks Zeichnungen sind ein weitgehend eigenständiger Werkkorpus, der nur selten von der Ölmalerei gespiegelt wird.

Die Ausstellung zu ausgewählten Werkgruppen aus dem Frühwerk, das sich bis auf zwei erhaltene Gemälde nur auf Zeichnungen beschränkt, betritt somit Neuland: Wir folgen den künstlerischen Anfängen des jungen Schönebecks – von seiner Ausbildung zum Dekorationsmaler in Sachsen, über seine Ausbildung an der Fachschule für dekorative Malerei in Ost-Berlin bis zum Studium der freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in West-Berlin. Die Impulse seiner Lehrmeister und Professoren schlagen sich in dieser Zeit ebenso nieder wie Inspirationen von Kunstströmungen aus Deutschland, den USA und vor allem aus Frankreich: Es ist eine Gratwanderung zwischen eigenen und fremden Bildfindungen, zwischen Ost- und West-Deutschland und zwischen Figuration und Gegenstandslosigkeit. Im Frühwerk werden somit schon all jene Ingredienzien sichtbar, aus denen in den 1960er-Jahren das ikonische Hauptwerk des Künstlers hervorging, das in der Ausstellung ebenfalls in Form eines Ausblicks präsentiert wird.

 

Im Frühjahr 2020 erscheint der erste Band des Werkverzeichnisses von Schönebecks Zeichnungen.