Christoph Hänsli

 

Der Schweizer Künstler Christoph Hänsli (geb. 1963) ist ein Konzeptkünstler, der sich in erster Linie der traditionellen Tafelmalerei als Medium bedient. Als Motive wählt er häufig Gegenstände, die an Alltäglichkeit kaum zu unterbieten sind. So entstehen empathische Portraits von obsoleten Lichtschaltern, ungemachten Betten, halbleeren Biergläsern und gestapelten Archivschachteln. Vergänglichkeit und Abwesenheit sind die zentralen Themen seines Schaffens. In keinem seiner Bilder ist ein Mensch zu sehen, und dennoch sind sie von unserem absurden irdischen Dasein durchdrungen. Ohne Pathos und ohne Sentimentalität erzählen die Gegenstände von der Verlorenheit des Menschen in einer Welt, die Ordnung suggeriert. Die schnörkellose Schönheit der in fast altmeisterlichen Sorgfalt ausgeführten Bilder lenkt den Blick des Betrachters auf einen Alltag, für den er längst erblindet ist. Dass Hänsli auf seine kompositorischen Freiheiten verzichtet und die Objekte stets in Lebensgröße und neutral beleuchtet zeigt, erleichtert den Prozess der individuellen Erinnerung und des Wiedererkennens.

International bekannt wurde Hänsli durch das epische Werk Mortadella (2006–08), das aus 332 kleinformatigen Gemälden besteht, die alle Scheiben einer aufgeschnittenen Wurst zeigen. Naturwissenschaftliche Akribie und Ordnungssinn verbinden sich mit malerischer Freiheit und feinem Humor. Das Staunen über die technische Brillanz und die sich eröffnenden Interpretationsmöglichkeiten lassen die Absurdität des Projektes schnell vergessen. Gemeinsam mit John Berger, mit dem Hänsli von 1996 bis zu Bergers Tod 2017 eine Künstlerfreundschaft verband, hat der Künstler Mortadella als vielbeachtetes Buch publiziert.

Christoph Hänsli wurde 1963 in Zürich geboren und besuchte von 1984–88 die Schule für Gestaltung in Luzern. An der Universität Zürich vertiefte er sich in die Fächer Filmwissenschaft und Fotografiegeschichte. Seit 1997 stellt er seine Werke regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen aus.