Enrique Martínez Celaya

 

Enrique Martínez Celaya wurde 1964 auf Kuba geboren, wo er auch seine ersten Lebensjahre verbrachte. Er wuchs in Spanien und Puerto Rico auf. Mit acht Jahren begann er regelmäßig zu zeichnen, bald darauf wurde das Malen zu einem wichtigen Ausdrucksmittel. Es begeisterte ihn so sehr, dass er neben der Schule bei einem Maler in die Lehre ging. Die Malerei begleitete ihn auch während des Physikstudiums an der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York. Bei Studienende stand er vor einer schwierigen Entscheidung: Die University of California hatte ihn ins Doktorandenprogramm aufgenommen, was ihm eine aussichtsreiche Karriere versprach. Doch auch sein Bedürfnis, sich künstlerisch auszudrücken, war weiter gewachsen. Schließlich entschied er sich, etwas machen zu wollen, das ihm selbst und anderen nützt – und dass dies die narrative, figurative Malerei ist. Was dabei keinesfalls herauskommen sollte: „Gemälde, die nur ich verstehen kann“. Und so studierte Martínez Celaya schließlich Kunst an der Skowhegan School of Painting and Sculpture und an der University of California und verschrieb sich einem gesellschaftlich involvierten künstlerischen Schaffen.

In der damaligen Entscheidung spiegelt sich die bedeutende Rolle, die das schriftliche Zwiegespräch für Martínez Celaya spielt. In einer Art kurzem Manifest wägte er die Argumente ab und schrieb den Entschluss geradezu herbei. Bis heute begleiten Texte sein künstlerisches Schaffen, dazu zählen Notate, Tagebuch- und Blogeinträge, Gedichte, manifestartige Bekundungen und Vorlesungen. Text und Schrift finden sich zudem in zahlreichen Werken. Neben der eigenen künstlerischen Praxis hat sich Martínez Celaya vielfältig publizistisch betätigt und 1998 gar einen Verlag gegründet.

Seine Texte speisen sich nicht zuletzt aus der intensiven Auseinandersetzung mit philosophischen Fragen und Theorien. Einen besonderen Platz nehmen die Schriften von Hegel, Heidegger, Kierkegaard und Nietzsche ein. Von ihren Theorien ausgehend, entwickelte der Künstler sein Konzept eines ethischen, gesellschaftlich engagierten Kunstschaffens. Daraus entstand ein Œuvre, das einerseits durch Pluralität der Medien, andererseits durch inhaltliche wie stilistische Stringenz besticht. Aus der Zweidimensionalität von Papierarbeiten, Gemälden und Fotografien erwuchs allmählich eine dritte Dimension. So verwendete Martínez Celaya in seinen Gemälden diverse Materialien wie Federn, Teer, Spiegel, Wachs und Textilien. Bald erweiterte er sein Spektrum um plastische Arbeiten, die zu raumgreifenden Installationen und Environments heranwuchsen.

Der Vielgestaltigkeit der Medien und Materialien steht eine Kontinuität von Motiven und Inhalten gegenüber. Sie könnten grundlegender kaum sein: Fast immer geht es um die Entfremdung oder Annäherung von Mensch und Natur, um individuelle wie kollektive Erinnerungen und um die beständige Differenz zwischen tatsächlich Geschehenem und Erinnerbarem. Daneben finden sich Erfahrungen von Heimat, Fremde und Exil, von Geborgenheit und Ausgeliefertsein. Dieser Kosmos existenzieller Themen spiegelt sich in einer allgemeingültigen künstlerischen Sprache. Martínez Celaya verliert sich nie im Detail, er lenkt auch nicht ab. Seine Kompositionen sind großzügig, raumgreifend und präzise, seine Motivelemente stets eindeutig – so entstehen regelrechte Archetypen von Menschen, Tieren, Landschaften und Behausungen.

Enrique Martínez Celaya lebt und arbeitet in der Nähe von Los Angeles. Sein Werk ist längst fest im internationalen Kanon der zeitgenössischen Kunst verankert und in zahlreichen Ausstellungen präsentiert worden. Zuletzt waren Einzelausstellungen seiner Werke unter anderem in der Phillips Collection in Washington, D. C., der Eremitage in St. Petersburg, dem Pérez Art Museum Miami sowie dem Museum der bildenden Künste Leipzig zu sehen.