Hugo Wilson

 

Das technische und motivische Repertoire des britischen Künstlers Hugo Wilson, der 1982 in London geboren wurde, mutet geradezu anachronistisch an. In der Tradition des Universalkünstlers, wie ihn die italienische Renaissance hervorbrachte, bewegt sich Wilson mit beeindruckender Leichtigkeit durch die unterschiedlichsten künstlerischen Ausdrucksmittel. Geradezu spielerisch und doch stets mit absoluter Präzision und handwerklicher Expertise entstehen Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Plastiken. Aktuell wird Wilsons mediales Spektrum sogar noch um eine weitere Facette reicher: kürzlich begann der Künstler mit der Arbeit an seiner ersten Skulptur für den Außenraum.

In der meisterhaften Ausführung der unterschiedlichen Techniken spiegelt sich Wilsons mehrjährige klassische Ausbildung im Florentiner Traditionsatelier Charles H. Cecils sowie seine intensive Auseinandersetzung mit den Alten Meistern. Auf diese ist auch die Wahl zahlreicher Materialien zurückzuführen. So entstehen Wilsons Gemälde beispielsweise stets auf entsprechend behandelten Holztafeln. Zahlreiche Farbschichten, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung und Strahlkraft unterscheiden, sorgen für den leuchtenden Farbausdruck. Auf die Alten Meister sind aber nicht nur die Techniken, sondern auch viele Motivelemente – wie beispielsweise Jagdszenen und barocke Draperien als traditionelle bildnerische Würdeformeln – zurückzuführen. Derlei kunsthistorische Impulse hat Wilson mit den Bildereignissen unserer Zeit, die von viralen Onlinebeiträgen bis zu animierten Trickfilmen mit tierischen Protagonisten reichen, vereint. Das Resultat ist eine spannungsreiche Aktualisierung der europäischen Malereitradition, die sich in dramatischen wie dynamischen Kompositionen manifestiert.

Doch Wilson hat nicht nur der Malerei neues Leben eingehaucht. Mit seinen Gemälden der letzten Jahre hat der Künstler eine Bildgattung, die schon fast in Vergessenheit geraten ist, wiederbelebt und geradezu revolutioniert: das Tierstück, das Tiere als Ausdruck von Vertrauen und Zuneigung, als Sinnbild der Passionsgeschichte Christi oder als moralische Lehrmeister in Szene setzte. Nach charakterstarken Tierporträts entwickelte Wilson zuletzt komplexe Gruppengefüge, die nur selten friedvolle Koexistenzen, sondern zumeist Hackordnungen und Nahrungsketten thematisieren. Es sind Machtverhältnisse, die der Künstler selbst als Spiegelbild der menschlichen Gesellschaft begreift.

Das vielseitige Schaffen des jungen Künstlers hat längst ein internationales Publikum erreicht. So waren Wilsons Werke beispielsweise in Gruppenausstellungen des MODEM Centre for Modern and Contemporary Arts in Debrecen, dem Busan Metropolitan Art Museum sowie der National Portrait Gallery und des Courtauld Institute of Art in London zu sehen. Seine Werke befinden sich zudem bereits in zentralen internationalen Sammlungen, darunter die New York Public Library sowie die Deutsche Bank Collection und die Collection Janet de Botton in London.