Ian Hamilton Finlay

 

Der Schotte Ian Hamilton Finlay (1925-2006) war Dichter, Gärtner und Moralist. Sein umfangreiches Werk, darunter der berühmte Garten „Little Sparta“ in der Nähe Edinburghs, ist im Kontext der bildenden Kunst nur schwer einzuordnen. In Literaturkreisen gilt Finlay als bedeutendster britischer Vertreter der Konkreten Poesie und das geschriebene Wort ist Ausgangspunkt und Bestandteil der überwiegenden Mehrheit seiner Skulpturen, Reliefs, Zeichnungen und Drucke. Seine Ein-Wort-Gedichte und Einzeiler hat er so – von der intimen Dimension der Postkarte, dem direkt auf die Wand aufgemalten oder in Stein gemeißelten Text bis zur architektonischen und gärtnerischen Gestaltung – aus dem Korsett der Poesie befreit und in den Raum vordringen lassen. Zu den großen Themen in Hamiltons Werk gehören die klassische Literatur der Antike (allen voran Virgil), die Französische Revolution und das „Dritte Reich“. Wiederkehrende Motive sind Segelboote, Kriegsschiffe und Guillotinen. Er zitiert andere Künstler (Poussin, Magritte) genauso wie Hölderlin und Saint-Just. Seine Werke sind oft von an Kargheit grenzender Strenge, aber gleichzeitig von hintergründigem Humor und attischer Heiterkeit durchzogen. Die Ausführung seiner Ideen überließ er oft „collaborators“ (Handwerkern, Grafikern oder anderen Künstlern), die er stets namentlich aufführen ließ. Sein großes Gesamtkunstwerk, der Garten „Little Sparta“, den er ab 1966 entwickelte, wurde 2004 von schottischen Kulturschaffenden zum „bedeutendsten Kunstwerk der Nation“ gewählt. 1985 wurde Finlay für den Turner Prize nominiert. Bei der documenta 8, 1987 in Kassel, war er mit einer viel beachteten Außeninstallation, einer Straße aus bronzenen Guillotinen, vertreten.