Uwe Wittwer

 

Der Schweizer Uwe Wittwer (*1954) unterläuft und hinterfragt in seinen Gemälden, Aquarellen und Inkjets die Sehgewohnheiten und Erwartungen des Betrachters. Ihre berückende Schönheit und Sinnlichkeit sind häufig nur ein Lockmittel und machen bei näherer Betrachtung dem latenten Horror Platz, der hinter den Fassaden der Gutbürgerlichkeit lauert. Allen Werken Wittwers gemeinsam ist eine gewollte Unschärfe, die die Motive einer schnellen Lesbarkeit entzieht. Die Stillleben, Interieurs, Landschaften und Portraits sind nicht Repräsentationen einer sichtbaren Realität, sondern Hilfsmittel zur Hinterfragung unserer Sehgewohnheiten. Wittwer stellt in seinen mit langem Atmen entstehenden Serien die übergeordnete Frage nach Bild, Wirkung und Wirklichkeit – eine geradezu existentielle Frage im Zeitalter des Internets und der zunehmenden Schwierigkeit zwischen „echt“ und „falsch“ zu unterscheiden. Das Internet ist denn auch eine von Wittwers Hauptquellen auf der Suche nach Motiven. Ausgangspunkt der Bild-Apropriation war eine intensive Begegnung des Autodidakten mit den Alten Meistern in der Londoner National Gallery. Durch Zufall stieß er im Internet auf Amateur-Fotografien, die amerikanische Soldaten während des Vietnamkrieges in der Banalität des Militäralltags zeigen. Einen Schritt weiter zurück in die Geschichte ging Wittwer mit der Auswertung von Fotografien aus der brüchigen Idylle Ostpreußens vor dem 2. Weltkrieg. Diesen Serien widmet sich Wittwer nicht in einer chronologischen Abfolge, sondern greift ihre Motive immer wieder neu auf. Dieses gleichzeitige, konzentrisch verdichtete Weiterentwickeln von Werkgruppen erlauben dem Künstler eine Reflektion über das Bildverständnis durch alle Medien hindurch, deren herkömmliche Hierarchie (kleine Druckgrafik – großes Gemälde) er auf den Kopf stellt. Auch da muss der Betrachter seine Sehgewohnheiten und Erwartungen überdenken.