Mihuț Boșcu Kafchin, Răzvan Botiș, Mircea Cantor, Radu Cioca, Ciprian Mureşan, Vlad Olariu, Cristi Pogăcean, Gabriela Vanga

Cluj Connection 3D
7. Februar – 11. April 2015

Die Gruppenausstellung Cluj Connection 3D bringt acht Künstler zusammen, die alle in der rumänischen Stadt Cluj studiert haben und mit den Medien Skulptur und/oder Installation arbeiten: Mihuț Boșcu Kafchin, Răzvan Botiș, Mircea Cantor, Radu Cioca, Ciprian Mureşan, Vlad Olariu, Cristi Pogăcean und Gabriela Vanga.

Cluj Connection 3D setzt die wegweisende Ausstellung Cluj Connection fort, die Jane Neal 2006 in Zürich für Juerg Judin kuratiert hatte – gemeinsam mit dem rumänischen Künstler und Galeristen Mihai Pop (Galeria Plan B). Für die Fortsetzung in Berlin zeichnen wiederum Neal, Pop und Judin verantwortlich, und es kommt zu einem Wiedersehen mit vier Künstlern der Ausstellung von 2006: Cantor, Mureşan, Pogăcean und Vanga.

In den neun Jahren seit der Zürcher Ausstellung haben Cluj und seine Kunstszene große internationale Anerkennung erlangt – etliche der Künstler sind zu „Stars“ in der Museumsszene und auf dem Kunstmarkt geworden. Doch es sind vor allem die Vertreter der figurativen Malerei wie Adrian Ghenie und Victor Man, für die Cluj bekannt wurde. Die Künstler der jüngeren Generation arbeiten häufig nicht nur in zwei, sondern in drei Dimensionen. Sie folgen den international erfolgreichen Multimedia-Künstlern Cantor und Mureşan und fordern mit Vehemenz die Kunstwelt zur Erweiterung ihres Blicks auf das Phänomen Cluj auf. In ihrer Vorgehensweise sind die acht in Cluj Connection 3D ausgestellten Künstler ihren erfolgreichen Malerfreunden ähnlicher, als zunächst ersichtlich ist: Tiefe Kenntnisse der Eigenschaften von Werkstoffen und ihrer technischen Handhabung verbinden sie mit einem ebenso profunden Wissen über die Theorien und Bewegungen, die die Entwicklung der Skulptur im 20. und 21. Jahrhundert prägten. Sie betonen die partizipatorischen Aspekte der Skulptur und erwarten beim Betrachter eine gewisse Kompetenz in der Auseinandersetzung mit dem vorgefundenen Objekt.

Etliche Werke dieser Ausstellung drehen sich um die existenziellen Fragen des menschlichen Seins. Nach Georges Didi-Hubermann kann die Begegnung mit einer Skulptur tiefsitzende Ängste vor Leere und Tod erzeugen. Folgerichtig ist das Memento mori eines der zentralen Themen dieser Ausstellung: explizit in der Form des archetypischen Totenschädels (Vlad Olarius Formula for General and Elementary Statistics) oder auch als diskrete Drohung, wie die kaum wahrnehmbare Klinge eines Messers, das sich zwischen den Blättern einer Topfplanze versteckt (Răzvan Botiș’ Hidden Knife).

Viele Künstler greifen auf die klassische Skulptur der Antike zurück. Figuren werden aktualisiert und neu kontextualisiert: der Heroe (Cristi Pogăceans Optimus Prime – die Neuinterpretation eines Charakters der Transformers-Spielzeugserie mit Stilmitteln des Rokoko) und Artemis, die Göttin der Jagd (Gabriela Vangas No Secondary Thought – ein Pfeil und Bogen vollständig aus Lego gebaut). Diese sehr bildhaften Symbole werden in der Ausstellung mit weniger eindeutigen Ausdrucksformen kontrastiert, wie sie sich in Mihut Boscu Kafchins ausufernder Installation aus Stahlskulptur, Gipsrelief und Wandzeichnung finden lassen und in der Poesie von Radu Ciocas Inner Song, das zwei Porzellantauben zeigt, deren Körper sich gegenseitig durchstoßen.

Auch Humor und Ironie zeigen sich in vielen Werken der Ausstellung und bieten ein Gegengewicht zu den ernsteren Themen. Ein schönes Beispiel schwarzen Humors ist Ciprian Mureşans 1 : 666, das Bronzemodell einer geplanten neuen Kathedrale, die in Bukarest wegen ihrer Gigantomanie und Lage (genau gegenüber von Ceausșescus verrufenem „Volkspalast“) zu Kontroversen geführt hat. Der Titel, der sich auf den Maßstab des Modells bezieht, macht klar: Der Künstler hält diese Kathedrale für ein Werk des Teufels.

Während sich die Künstler lustvoll im Fundus der Mythen und Volkstraditionen bedienen, sind auch Bezüge zur Populärkultur augenfällig. In einer der überraschendsten Installationen, Mircea Cantors Hypothetical Geriatric Selfie, bietet der Künstler dem Besucher ein Hintergrundsujet für die allseits beliebten „Selfies“ an. Es handelt sich um ein riesiges Loch in der Form eines Sterns, das er mit brachialer Gewalt in eine der perfekten Ausstellungswände gebrochen hat – mithin auch um einen Kommentar zur Ästhetisierung der Kunstpräsentation im white cube.

Interessanterweise passt das Zusammenspiel von kühl erdachten Objekten mit verspielten Konstruktionen, von äußerst kritischen Installationen mit humorvollen Interventionen, und das Vermischen von unterschiedlichsten Einflüssen und künstlerischen Anliegen ziemlich gut zur Lebendigkeit von Clujs kulturellem Erbe. Die Stadt und das übrige Transsilvanien waren historisch schon immer multikulturell geprägt, herausfordernd und unbeständig: auf halbem Weg gelegen zwischen Bukarest und Budapest, an der Kreuzung von Völkern und Imperien, geprägt durch eine buntgemischte Bevölkerung aus Ungarn, Sachsen, Juden und den nun vorherrschenden Rumänen – eine kulturelle Hochburg.

Jane Neal ist eine führende Expertin für die zeitgenössische Kunst Osteuropas. Sie schreibt für eine Vielzahl internationaler Publikationen und ist Mitverfasserin des vor kurzem erschienen Buchs Cities of the Future: 21 Century Avant Gardes (Phaidon). Sie hat von der Kritik gefeierte Ausstellungen in Austin, Berlin, Budapest, Dubai, London, Los Angeles, Mailand, Mumbai, New York, Prag und Zürich kuratiert. Zu ihren jüngsten Ausstellungen zählen This Side of Paradise für S1 in London (2014) und Nightfall: New Tendencies in Figurative Painting im MODEM Centre for Contemporary Arts im ungarischen Debrecen (2012) und im Rudolfinum in Prag (2013). Neal studierte an der Oxford University und am Courtauld Institute, London. Sie lebt und arbeitet in Oxford und London.