John Kleckner

 

Seit nunmehr 15 Jahren hat sich der amerikanische Künstler John Kleckner, der 1978 in Iowa geboren wurde, dem Zeichnen verschrieben. Sein Name ist zu einem Synonym für ebenso grazile wie abgründige Papierarbeiten in technischer Perfektion geworden. In elegantem Zusammenspiel erobern schwungvolle Linien, Kolonien kleiner Punkte und feine Schattierungen die meist kleinformatigen Bildträger. Oft nur mit Tusche oder Bleistift und gelegentlich mit dezentem Aquarellauftrag ausgeführt, verflechten sich Kleckners grafische Chiffren zu spannungsvollen Kompositionen, mit denen der Künstler die Bildsprache der Hippie-Bewegung weiterentwickelt und durch abgründige Details gleichsam dekonstruiert. Und so kreisen die Werke Kleckners, der sich selbst einmal als „sceptical hippie“ bezeichnete, um den menschlichen Körper, zwischenmenschliche Beziehungen und die Endlichkeit von beidem.

Mit seiner jüngsten Werkgruppe, die seit 2015 entsteht, hat Kleckner dem Zeichenstift vorerst den Rücken zugewandt. Erstmals seit seiner Hochschulausbildung, die er 2002 abschloss, hat der Künstler wieder zu Pinsel und Farbe gegriffen. Auf der Grundlage einer Serie von fast 100 Papiercollagen, die Kleckner seit 2012 fertigt, entstand ein gutes Dutzend großformatiger Gemälde in ungeahnt starker Farbigkeit. Auf den ersten Blick scheint die technische, formale und farbliche Gestaltung dieser Werkreihe nicht mit Kleckners bisherigem Œuvre verbunden zu sein. Doch das Gegenteil ist der Fall: mit seinen jüngsten Werken hat Kleckner sein Konzept stilistischer Kontrastierung und motivischer Fragmentierung konsequent weiterentwickelt und das Prinzip der Collage, das sein Schaffen bereits seit der Hochschulausbildung begleitet, zum Motiv seiner Malerei erhoben. Zudem hat Kleckner mit den vorliegenden Gemälden frühe und späte künstlerische Inspirationen zusammengeführt. So ist ein transatlantischer Brückenschlag entstanden: die kunsthistorischen und popkulturellen Einflüsse aus seinem Geburtsland, den USA, sind mit den Inspirationen seiner Wahlheimat Berlin zu einem eigenständigen Formen- und Farbenrepertoire verschmolzen.

Kleckners Werke haben indes nicht nur Deutschland und die USA erobert. So finden sich seine Arbeiten u. a. im Museum of Modern Art in New York, der Miettinen Collection in Helsinki und Berlin, dem Magasin III Museum & Foundation for Contemporary Art in Stockholm, der DESTE Foundation for Contemporary Art in Athen sowie der Saatchi Gallery in London.