Philipp Fürhofer

 

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“, Fausts berühmter Ausruf, beschreibt am besten die innere Zerrissenheit des jungen Künstlers Philipp Fürhofer, als er sich zwischen der Karriere eines Pianisten und der eines Malers entscheiden musste. Auch wenn er sich zu letztem durchrang, bleiben klassische Musik und die Welt der Oper ein sein Schaffen prägender Einfluss.

Geboren 1982 in Augsburg, studierte Fürhofer ab 2002 an der Berliner Universität der Künste in der Klasse des Malers Hans-Jürgen Diehl. Während des Studiums lernte er den bedeutenden Theater- und Opernregisseur Hans Neuenfels kennen und folgte seinem Bühnenbildner als Assistent an die Opernbühnen von Zürich und Bayreuth. Diese Begegnung hat Fürhofer zu einer äußerst erfolgreichen Karriere als Bühnenbildner verholfen, mit preisgekrönten Produktionen an deutschen und internationalen Häusern, wie dem Londoner Royal Opera House und der Niederländischen Oper, Amsterdam - eine Tätigkeit, die wiederum seine Praxis als Maler beflügelt hat.

Fürhofers Werke sind buchstäblich vielschichtig: als dicht bemalte und mit Alltagsgegenständen und Lampen gefüllte Leuchtkästen sind sie gleichzeitig Bild, Skulptur und Lichtobjekt. Bei Aktivierung der Leuchtkörper kann der Betrachter das Innenleben dieser Objekte erkennen - wenn die Lampen aus sind, tritt die dreidimensionale Natur hinter grandioser Malerei zurück. In manchen Werken nimmt uns der Künstler die Entscheidung darüber ab, in welchen Zustand wir sie betrachten möchten: eine Zeitschaltung steuert die An/ab-Intervalle und fordert von uns Konzentration und flexibles Sehen. Den Sinn für dieses interaktive „Spiel“ mit dem Betrachter hat Fürhofer beim Arbeiten für die Bühne geschult. Die Aufmerksamkeit eines Theaterpublikums während Stunden auf die Bühne zu leiten, ist eine völlig anders geartete Herausforderung als den Betrachter eines Bildes für kurze Zeit zu fesseln. Fürhofer gelingt es auf bestechende Weise die Ansprüche des einen Mediums auf das andere zu übertragen.

Sein Schaffen lässt sich aber nicht auf die theatralischen und technischen Aspekte reduzieren - es liegt ihm auch eine sehr ernste poetische und spirituelle Qualität zugrunde. Sein Spiel mit den Betrachtungsebenen fordert zu einem Nachdenken über Illusion und Präsenz, über Kunst und Vergänglichkeit auf. Er schafft es, aus dem technischen Ballast und den armseligen Überbleibseln unseres Alltags Schönheit und einen höheren Sinn zu erzeugen - und gleichzeitig das Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz zu schärfen. In all seinen Werken ist neben dem hellen Funken des Lebens und der Kreativität, auch das Schattenreich der Seitenbühnen zu erahnen.

Philipp Fürhofer lebt und arbeitet in Berlin. Seine Werke wurden in Galerien in Hamburg, Mailand, Berlin, Sydney, Köln, München und Hong Kong ausgestellt. Im Bayerischen Nationalmuseum in München war 2012 die Einzelausstellung Breakthrough zu sehen. Er hat zahlreiche Stipendien und Residencies gewonnen.